Spaziergang spannend gestalten

Jeden Tag gehen wir mehrmals mit unseren Hunden vor die Tür. Nach einiger Zeit wird dies zur Routine. Oft sehe ich dann, wie Hunde an der Leine vorneweg laufen und ihre Menschen hinterher. Mit gemeinsam spazieren hat dies wenig zu tun. Der Hund macht sein Ding und der Besitzer trottet hinterher.

Gemeinsam spazieren geht anders!

Wäre es nicht spannender, wenn beide sich aktiv am Spaziergang beteiligen würden? Der Hund muss nicht den ganzen Spaziergang über bespasst werden. Aber ab und zu eine kleine Trainingseinheit, ein Spiel oder eine Entdeckungstour macht beiden Spass, fördert die Bindung und das Zusammengehörigkeitsgefühl. Vielen fehlen aber die Ideen um einen Spaziergang abwechslungsreich zu gestalten, obwohl die Umwelt so viele Gelegenheiten bietet.

Um eure Kreativität etwas anzuregen, möchte ich euch hier einige Möglichkeiten aufzeigen. Wenn ihr noch weitere Ideen habt, könnt ihr diese gerne in die Kommentare schreiben.

Kommandos

Das Naheliegendste ist wohl, Kommandos zu trainieren. Mein Motto ist „Das ganze Leben ist ein Training“. Der Spaziergang bietet somit viele Möglichkeiten. Der Rückruf unter Ablenkung lässt sich super trainieren, genauso wie das Aufmerksamkeits-Signal. Auch Tricks wie Slalom um die Beine oder den Hund um einen Baum oder einen sonstigen Gegenstand schicken, kann man beliebig einbauen.

Gerade alltägliche Kommandos wie der Rückruf kann man auf jedem Spaziergang trainieren und festigen.
Auch Tricks lassen sich unterwegs prima üben.

Was man auch sehr gut üben kann ist das Generalisieren von Kommandos, sprich, bereits bekannte Kommandos in verschiedenen Umgebungen und auf unterschiedlichen Untergründen üben. Denn so festigt sich das Kommando und kann auch unter erschwerten Bedingungen abgerufen und ausgeführt werden.

Vitaparcours

In vielen Wäldern findet man ausgeschilderte Vitaparcours, welche sich super eignen um verschiedene Übungen einzubauen, natürlich unter der Voraussetzung, dass wir keine Sportler aufhalten. Schmale Balken eignen sich für Balance-Übungen, auf Baumstamm-Stücken kann man das Raufstehen mit zwei Pfoten oder sogar den Elefanten-Trick üben. Slalom, Hürdenlauf oder Umrunden, alles was uns Spass macht und fit hält, kann man mit ein bisschen Fantasie auch für den Hund umwandeln.

Kleinere Hunde sind klar im Vorteil bei der Balance-Übung.
Der Elefantentrick

Suchspiele

Eine weitere Idee ist das Suchspiel in jeglicher Variation. Futter eignet sich besonders gut, da es sich einfach verstecken lässt. Entweder auf einer Wieser, im Laub oder auf einem Baumstamm, die Nasenarbeit fördert die Konzentrationsfähigkeit und lastet den Kopf gut aus. Um das Spiel etwas zu variieren, kann man zum Beispiel auch den Abruf aus der Futtersuche üben. Dies erfordert viel Führigkeit und Impulskontrolle und muss schrittweise aufgebaut werden. Auch unterwegs findet man immer wieder Plätze, die sich als Verstecke eignen. Holzbeigen (müssen stabil gestapelt sein!), Gebüsche und Ruinen sind nur eine kleine Auswahl. Natürlich kann man an Stelle von Futter auch immer ein Spielzeug verstecken, je nach Motivation des Hundes.

Wo ist das Leckli versteckt?

Bei uns ein beliebtes Suchspiel ist zudem das Suchen „meines“ Gegenstandes. Dafür nutze ich viele Tannzapfen, lege diese auf einen Haufen und suche mir einen raus, den ich speziell mit meinem Geruch versehe (zwischen den Händen reiben, anhauchen). Dann mische ich diesen unter die anderen und Mila sucht genau diesen heraus.


Einen grossen Tannzapfen bestücke ich auch gerne mal mit Futter und verstecke ihn. So kann Mila ihn erst suchen und dann mit den Zähnen geschickt die Futterstücke rausklauben.

Knabberspass für unterwegs

Apportier-/Jagdspiele

Spielen muss nicht unbedingt bedeuten, gefühlt hundert Mal den Gegenstand stumpf in dieselbe Richtung zu werfen, und sich so einen Balljunkie heranzuziehen. Ich verbinde Wurfspiele generell mit Impulskontrollübungen. Entweder muss der Hund bei mir warten, ich werfe den Gegenstand und er holt ihn erst auf mein Signal. Gerne baue ich hier auch noch Ablenkungsübungen ein. Das heisst, dass er sich erst auf etwas Anderes fokussieren muss, zum Beispiel verlange ich erst die Ausführung mehrerer Trickübungen. So lernt der Hund nicht nur Impulskontrolle und sich auf verschiedene Sachen zu konzentrieren, sondern er verbessert auch seine Erinnerungsleistung, in dem er sich merkt, wo das Spielzeug liegt. Eine weitere Variante ist, ihn zu stoppen auf dem Weg zum Spielzeug oder auf dem Rückweg. Hierzu verwende ich entweder ein Kommando oder eine Hundepfeife. So kann man die Apportierübungen beliebige variieren.

Auf Kommando ins Platz, auch beim Apportieren.

Ein Lieblingsspiel von Mila ist das gemeinsame „Jagen“. Hierbei lege ich irgendwo sichtbar oder versteckt einen Suchgegenstand ab und entferne mich mit ihr ein paar Meter. Im Fuss nähern wir uns nun beide gemeinsam dem Gegenstand an. Auf das Kommando „Hunt“ fängt Mila an, sich nach vorne auszurichten, ohne dabei die Fuss-Position zu verlassen. Sie sucht intensiv durch Schnüffeln und mit den Augen nach dem Gegenstand. Ich gebe dabei das Tempo und die Richtung vor, wie wir uns dem Speilzeug nähern. Sobald sie es entdeckt hat, fixiert sie es und schleicht sich mit mir gemeinsam an. Etwa einen halben Meter vor dem Gegenstand stoppe ich, fixiere mit ihr den Gegenstand und auf mein Kommando darf sie sich auf ihn stürzen. Ab und zu lasse ich sie auf dem Weg ablegen oder hinsetzen, schleiche alleine weiter und rufe sie dann wieder an meine Seite ab. Die Schwierigkeitsstufe kann man variieren, in dem man den Gegenstand zum Beispiel hinter einer Kurve platziert, damit sie ihn länger suchen muss.

Gemeinsames Anschleichen macht Spass!

Geschicklichkeit/Motorik

Unsere Umgebung ist voll von Möglichkeiten, um die Motorik und die Geschicklichkeit des Hundes zu fördern.

Position halten: Auf Steine, Baumstämme, Betonblöcke etc. kann man den Hund hochschicken und verschiedenen Positionen üben (Sitz, Platz, Steh, sich drehen…).

Louis übt diese Position auf dem Baumstamm.

Slalom/Handtarget: Ein Slalom um Pfosten oder Steine bringt etwas Schwung in den Spaziergang und fordert die Aufmerksamkeit des Hundes. Hier kann man auch gut ein Handtarget einbauen. Der Hund folgt dabei eurer Hand, egal ob neben oder hinter euch.

Gegenstände tragen: Das Tragen eines Gegenstandes macht den meisten Hunden nicht nur Spass, es kann auch eine beruhigende Wirkung haben. Je nach Grösse des Gegenstandes kann es auch für das Geschick und das Gleichgewicht eine Herausforderung sein. Ein Regenschirm ist sicher schwieriger zu tragen als die Leine oder ein Spielzeug. Man kann die Übung noch abwechslungsreich gestalten, indem man den Hund über verschiedene Hindernisse laufen lässt (Treppen, Steine…).

Evan trägt gerne den Regenschirm für seine Besitzerin.

Baumstamm: Auf einem Baumstamm vorwärts zu balancieren ist Übungssache. Aber habt ihr es schon rückwärts versucht? Das ist eine absolute Vertrauenssache und erfordert viel Koordination!

Buddeln: Gezieltes Buddeln auf Kommando und an Orten, wo es niemanden stört oder die Natur beschädigt, ist klasse! Diese Übung kann man besonders gut im Schnee machen. Mila spürt gerne ihr Spielzeug unter der Schneedecke auf und buddelt anschliessend wie eine Wilde, um es zu befreien.

Gleich hat sie das Spielzeug freigebuddelt.

Denksport: Manchmal hat man das Glück, das Hundehirn richtig herausfordern zu können. Man kann einen Suchgegenstand so platzieren, dass der Hund ihn zwar sieht, aber erst ausprobieren muss, wie er dran kommt. Ideen hierfür sind zum Beispiel, er muss einen offenen Zaun umgehen, er muss an einer Leine ziehen, an deren Ende der Gegenstand hängt oder er muss den Weg auf die Baumstamm-Beige finden (hier auch wichtig, dass sie sicher gestapelt ist!).

Untergründe: Raschelnder Untergrund, glatte Oberflächen oder Gitter können für den Hund schon bedeuten, dass er sich überwinden muss, drüber zu gehen. Auch hier können verschiedene Positionen geübt werden.

Platz im Laubhaufen

Agility für unterwegs: Baumstämme überspringen, unter Bänken durchkriechen oder durch einen kleinen Tunnel hindurchgehen, die Möglichkeiten sind sehr vielfältig!

Das Gelände bietet viele Möglichkeiten für Agility.

Bachwanderung: Gemeinsam in einem Bach oder Fluss waten oder daran entlanglaufen, ist nicht nur angenehm erfrischend, es ist auch spannend, was man unterwegs so findet. Natürlich sollte die Strömung gemässigt und die Tiefe dem Hund angepasst sein.

Gemütliche Bachwanderung

Übungen in der Gruppe

Gerade wenn man mehrere Hunde hat, gibt es verschiedene Übungen, welche man mit allen zusammen trainieren kann. Einerseits ist das Leinelaufen im Rudel täglich Brot. Dennoch ist es wichtig, dass man es immer wieder trainiert. Denn es erfordert viel Konzentration von den Hunden, sich im Rudel zu bewegen und auf den Menschen zu achten. Eine weitere Idee ist das Namensspiel. Hierbei werden die Hunde einzeln abgerufen. Nur der angesprochene Hund darf kommen.

Alle warten, bis sie gerufen werden.

Wie ihr seht, gibt es so viele Möglichkeiten, die Spaziergänge mit eurem Hund interessant und abwechslungsreich zu gestalten. Vergesst nicht, dass der Hund auch mal nur schnüffeln und Hund sein darf. Aber die oben genannten Übungen bringen Freude und Spannung für Mensch und Hund. Wir wünschen euch viel Spass beim Ausprobieren!

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