Mit dem Hund die Welt entdecken

Im letzten Blog-Beitrag haben wir über viele wichtige Themen gesprochen, die man beachten soll, wenn ein Welpe einzieht. Ein grosser Punkt dabei ist die Gewöhnung an die Umwelt. Ein Hund hat so viel zu entdecken in dieser grossen Welt. Oft übersehen wir aber kleine Dinge, die für einen Welpen riesig erscheinen können. Dass sich ein Welpe vor gewissen Sachen fürchtet oder sie komisch findet, ist ganz normal. Wichtig ist die Herangehensweise in solchen Situationen.

Da draussen ist es super spannend!

Bindung und Vertrauen

Würdet ihr mit jemandem mitgehen, dem ihr nicht vertraut? Vermutlich nicht. Genau so geht es eurem Welpen. Wie schnell ein Welpe Vertrauen fasst, hängt sehr vom Charakter des Hundes ab. Es gibt Welpen, die hinterfragen nicht viel, die machen einfach. Sie zweifeln nichts an und schauen einfach was passiert, gehen mutig nach vorne und sind in ihrem Wesen selbstsicher. Diese Welpen vertrauen generell schneller. Es gibt aber auch die vorsichtigen Vertreter. Diese schauen lieber mal aus der Entfernung zu, bewegen sich langsamer und brauchen mehr Überzeugungskraft. Und dann gibt es noch die Selbständigen. Diese wissen nicht von Anfang an um die Notwendigkeit des Menschen. Bei ihnen muss man sich die Anerkennung und Achtung besonders erarbeiten. Wichtig ist, dass man sich auf den jeweiligen Welpen einstellt und die nötige Geduld aufwendet. Denn wenn man die Bindung am Anfang richtig aufbaut und festigt, hat man später einen Hund, der dem Besitzer in jeder Situation gerne vertraut und folgt.

Gemeinsam neue Dinge entdecken ohne Druck, fördert das Vertrauen.

Eine Bindung aufbauen braucht Zeit. Diese sollte man dem Welpen auch geben. Bindung besteht auf verschiedenen Facetten.

Nähe: Schenkt man dem Welpen Nähe und Aufmerksamkeit, fördert das das Zusammengehörigkeitsgefühl. Im Rudel liegen die Hunde oft ganz nah zusammen, wärmen sich und geben sich gegenseitig Sicherheit. Das nennt man „Kontaktliegen“. Positiver Körperkontakt (Streicheln, feine Berührungen…) schütten die „Glückshormone“ Endorphine aus und wirkt beruhigend, nicht nur auf uns, sondern auch auf unsere Hunde. Auch Fellpflege gehört zum Sozialkontakt und wird, wenn richtig aufgebaut, sehr genossen.

Tipp vom Hundetrainer: „Habt ihr gewusst, dass ein Rudel nur aus der eigenen Familie (Blutlinie) besteht? Wenn sich mehrere Hunde auf dem Spaziergang treffen, ist das eine Meute. Mehrere Hunde in einer Menschenfamilie bezeichnet man als Sozialverbund.“ Sandra Guggisberg

Vorbild: Wir leiten unsere Hunde an. Wir zeigen ihnen die Welt. Dabei studieren sie uns genau. Somit sollten wir uns unserer Vorbildfunktion bewusst sein und uns entsprechend verhalten. Gehen wir selbstsicher voran und strahlen Ruhe aus, fühlt sich der Hund wohler, als wenn wir selber nervös und unsicher sind. Jemand, der mentale Stärke ausstrahlt, ist vertrauenswürdig.

Aktivitäten: Gemeinsame Erlebnisse fördern das Vertrauen ebenfalls. Gemeinsame, positive Momente prägen sich schnell ein. Wenn man eine Situation zusammen bewältigt hat, fühlt man sich anschliessend ganz stark. Auch ein faires Spiel gehört zu den positiven Verstärkern einer Bindung oder gemeinsames Beobachten.

Neue Untergründe positiv entdecken.

Lernen: Hunde lernen in der Regel gerne neue Sachen dazu. Auch hier verstärkt man das Wir-Gefühl.

Belohnung: Wer bekommt denn nicht gerne gesagt, dass man etwas gut gemacht hat? Wenn Hunde eine positive Erwartungshaltung an uns haben, wie ein Leckerchen, ein Spiel, ein liebes Wort oder eine Streicheleinheit, dann ist der Grundstein der Bindung bereits gelegt.

Bindung und Vertrauen können aber auch zerstört werden. Nämlich dann, wenn man den Hund überfordert, alleine lässt in unangenehmen Situationen, ihn in eine missliche Lage bringt, ihn vernachlässigt oder ihn unfair behandelt.

Zusammen schaffen wir das!

Entdeckungstouren

Versucht mal die Welt um euch herum mit den Augen eines Hundes zu sehen. Denn es sind nicht immer stundenlange Spaziergänge nötig, um den Hund auszulasten. Entdecken macht nämlich auch ganz schöne müde. Überall gibt es Dinge, die man gemeinsam erkunden kann. Bei einigen Sachen braucht es vielleicht etwas länger und eine grössere Überwindung als bei anderen. Arbeitet mit viel Eigeninteresse (findet ihr etwas spannend, kommt der Welpe sicher auch dazu) und bestärkt den Hund auf eine positive Art und Weise. Lasst den Hund aber auch selber ausprobieren, sofern es ihm nicht zu viel wird. Beobachtet dabei seine Körpersignale genau. Fängt er an Stressreaktionen zu zeigen (Gähnen, Zurückweichen, Lecken, Schütteln…), sollte man die Übung unterbrechen, Druck abbauen oder ganz aufhören. Ruhepausen sind während Entdeckungstouren ganz essenziell.

Die Welt entdecken macht ganz schön müde.

Im Haus

Nur schon im eigenen Zuhause gibt es einiges zu entdecken. Treppenstufen, besonders wenn sie aus rutschigem Material sind und Lücken haben, können sie sehr befremdlich sein. Abgesehen davon, dass Welpen nicht zu viele Stufen steigen sollten, müssen sie dennoch lernen Treppen hoch und runter zu gehen. Viele Häuser haben auch einen Lift. Der enge Raum und das komische Fahrgefühl muss man positiv verknüpfen. Ein weiterer Knackpunkt sind laute Geräusche, wie zum Beispiel der Staubsauger, Haarföhn oder scheppernde Pfannendeckel. Der Hund sollte sich immer zum Objekt hinbewegen, nicht das Objekt zum Hund gebracht werden. So kann er selbständig seine Individualdistanz wählen.

Tierische Mitbewohner

Auch bereits vorhandene Haustiere wollen kennengelernt werden. Hier lohnt es sich besonders, Schritt für Schritt vorzugehen, damit beide Seiten nachher friedlich und ohne Angst miteinander auskommen. Ein witziges Verhalten zeigen Hunde, wenn sie sich zum ersten Mal in einem Spiegel betrachten. Sie erkennen sich nicht als sich selbst. Deswegen finden sie es super komisch, wenn der andere einfach nicht verschwindet und immer zurück bellt. Hunde gewöhnen sich in der Regel schnell daran, dass da einfach immer ein Hund steht, wenn sie am Spiegel vorbeigehen. Sie lernen es zu ignorieren. Auch Stofftiere, besonders grosse, werden anfangs oft argwöhnisch beäugt, bis der Welpe merkt, dass es nichts Gefährliches ist.

Hallo, wer bist denn du?

Ums Haus

Man muss das Abenteuer nicht immer in der Ferne suchen. Schon ums Haus herum gibt es einiges zu entdecken. Wer das Glück hat, einen eigenen Garten zu besitzen, kann in den ersten Tagen besonders da viele Abenteuer erleben. Laub, Vögel, Äste, Giesskannen, ein Teich oder ein Wasserschlauch – ein Garten hat vieles zu bieten. Gartenzwerge oder andere Figuren, können einem Welpen schon einmal einen Schrecken einjagen. Ich kann mich nur zu gut an die erste Begegnung zwischen Mila und einem Gartenzwerg erinnern….
Auch rollende Mülltonnen oder quietschende Briefkästen gehören zur Gewöhnung dazu.

Schon eine Schlammpfütze kann sehr spannend sein.

Weg vom Haus

Sobald man das Haus verlässt beginnt die grosse, weite Welt. An jeder Ecke gibt es etwas zum Erschnüffeln. Katzen, die durchs Quartier streichen, hinterlassen genauso eine interessante Duftnote wie der Nachbarshund oder der Müllsack, der für die Müllabfuhr bereitsteht. Zudem gibt es Autos, Fahrradfahrer, Jogger und Pferde die oft schnell vorbeiflitzen. Hydranten, die einfach im Weg rumstehen, Schiebetüren von Geschäften, die sich öffnen, wenn man zu nah daran vorbeigeht, Kühe, die weiden – die Eindrücke sind vielfältig.

Impulskontrolle

Wir wohnen in der Nähe einer Schule, wo immer viel Tumult ist auf dem Spiel- und Pausenplatz. Rennende, lärmende Kinder, die mit Bällen spielen und unkoordiniert über den Platz laufen können für Welpen eine ganz schöne Herausforderung darstellen. Dies ist eine typische Situation, die sich anbietet zum einfachen Beobachten aus einer angenehmen Entfernung. So lernt der Hund, dass nichts passiert, auch wenn viel Hektik ist. Dies lässt sich auch gut auf einer Parkbank machen. Einfach hinsetzen und die Welt beobachten. Das ist für einen Welpen oft schon aufregend genug.
Unterwegs gibt es auch verschiedene Untergründe zu entdecken. Kies, Wiese, glatter Plattenboden in Einkaufszentren, Gitter und wackelige Holzstege sind nur einige Beispiele davon.

Eine wehende Fahne muss nicht gefährlich sein.

Auch Baustellen gibt es immer wieder. Dort ist es oft laut und grosse Maschinen werden gefahren. Wehende Fahnen können Welpen erschrecken. Geht man selber hin und zeigt dem Hund, dass es nicht gefährlich ist, kommt der Welpe sicher gerne selber näher, um den Gegenstand zu inspizieren. Auch Menschen mit „komischen Anhängseln“ wie Kinderwagen, Rollstühlen, Gehstöcken oder Einkaufswagen trifft man immer mal wieder an.

Die Umwelt durch Beobachtung kennen lernen.

Die Welt hat einiges zu bieten. Stück für Stück kann der Mensch einem Hund zeigen, was im Alltag so auf ihn zukommen kann. Wichtig dabei ist, auf den Hund einzugehen und in seinem Tempo voranzuschreiten. Habt Geduld und steht eurem Vierbeiner bei jeder Entdeckungstour bei. So macht sie beiden Spass und man erlebt automatisch entscheidende Bindungsmomente, welche für den Rest des Lebens entscheidend sein werden. Wer mit wachen Sinnen durch die Welt geht, findet bestimmt viele Sachen, die man mit seinem Hund erkunden kann. Viel Spass auf der nächsten Inspektionsmission in eurem Zuhause!

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