Läufigkeit bei der Hündin

Einige Anzeichen einer ersten Läufigkeit bei der eigenen Hündin, können für einige Hundebesitzer irritierend oder verunsichernd sein. Obwohl die Läufigkeit ein absolut natürlicher Vorgang zum fruchtbaren Alter der Hündin ist, gibt es gerade für Neuhundehalter oder Neuhündinnenhalter einige offene Fragen. Genau diese Fragen möchten wir in diesem Blogartikel beantworten.

Wann tritt die erste Läufigkeit ein?

Hier kommt es ganz individuell auf die Hunderasse und die Persönlichkeit der Hündin an. Während kleine Hündinnen meist schon mit sechs Monaten zum ersten Mal läufig werden, sind Hündinnen grosser Rassen zum Zeitpunkt der ersten Läufigkeit bereits zwischen 12 und 24 Monate alt.

Der wichtigste Anhaltspunkt für den Zeitpunkt der ersten Läufigkeit ist, dass die Hündin ihr ausgewachsenes Körpergewicht erreicht. Dies geschieht nicht nur bei Hündinnen von grossen Rassen etwas später sondern auch bei Hündinnen die z.B. durch schlechte Haltung nicht genügend Futter bekommen oder die eine Krankheit durchleben oder durchlebt haben.

Dazu kommt, dass die erste Läufigkeit beim Hund oft nicht ganz typisch verläuft, da die Hündin gerade erst in die geschlechtsreif wird und körperlich noch nicht fertig entwickelt ist. Manchmal kommt es beispielsweise zu einer stillen Läufigkeit: Hier sind trotz der typischen hormonellen Vorgänge keine äußeren Anzeichen wie Ausfluss sichtbar. So kann die Hündin völlig unbemerkt läufig werden. In anderen Fällen treten zwar zunächst typische Läufigkeits-Anzeichen auf, klingen dann aber für ein paar Tage wieder ab, bevor sie wieder auftauchen – dies nennt man Split-Östrus.

Also keine Panik, wenn die Hündin mit 1,5 Jahren noch nicht offensichtlich läufig war oder wenn die erste Läufigkeit nicht ganz klassisch verläuft. Beides kommt doch recht häufig vor! 😉

Ablauf einer Läufigkeit

  1. Proöstrus (Vorläufigkeit):
    Im Durchschnitt dauert der Proöstrus neun Tage, seine Dauer kann jedoch zwischen drei und 17 Tagen variieren. Dies ist der erste Abschnitt der Läufigkeit. Die Vulva der Hündin schwillt an und blutiger Scheidenausfluss tritt aus. Dessen Menge variiert von Hund zu Hund: Während er bei einigen Hündinnen kaum auffällt, bluten andere relativ stark. Die Hündin ist zu diesem Zeitpunkt zwar noch nicht fruchtbar, riecht jedoch für Rüden bereits sehr interessant. Sie weicht nun jedoch aus oder beisst andere Hunde weg, wenn sie zudringlich werden. Verlassen sollten Sie sich jedoch nicht darauf, denn manchmal sind die Übergänge zwischen den einzelnen Phasen schwierig festzustellen.
  2. Östrus (Stehtage):
    In dieser Phase ist die Hündin deckbereit – man nennt sie auch Standhitze oder Stehtage, da die Hündin nun bereitwillig stehen bleibt und die Rute auf die Seite dreht, wenn sich ein interessierter Rüde nähert. Durchschnittlich dauert der Östrus neun Tage an, schwankt dabei je nach Hündin zwischen drei und 21 Tagen. Die Vulva ist nun nicht mehr ganz so stark geschwollen und der Scheidenausfluss wird wässriger, manchmal auch schleimig. Während des Östrus finden mehrere Eisprünge statt, meist am zweiten bis vierten Tag. In diesem Zeitrahmen liegen die fruchtbaren Tage der Hündin.
  3. Metöstrus (Nachläufigkeit):
    In dieser Phase klingen die Läufigkeits-Symptome ab. Die Vulva schwillt ab, der Ausfluss wird zunächst oft gelblich und verschwindet schliesslich ganz. Obwohl die Hündin ab diesem Zeitpunkt äusserlich keine Anzeichen einer Läufigkeit mehr zeigt, gibt es noch über einige Wochen eine hormonelle Veränderung: Die Gelbkörper, die nach dem Eisprung an den Eierstöcken entstehen, produzieren das Hormon Progesteron. Dieses Hormon sorgt dafür, dass der Embryo, die für seine Einnistung und sein Wachstum benötigten Bedingungen in der Gebärmutter vorfindet. Die Gelbkörper produzieren das Hormon in dieser Zyklusphase unabhängig davon, ob es zu einer Befruchtung gekommen ist oder nicht. Aus diesem Grund kann bei einer Hündin kein Schwangerschaftstest gemacht werden. Erst nach neun bis zwölf Wochen sind die Gelbkörper abgebaut (Luteolyse). Bei manchen Hündinnen stösst der nun sinkende Progesteron-Spiegel die Ausschüttung des Hormons Prolaktin an. Prolaktin kurbelt die Milchproduktion an – so kommt es bei einigen Hunden zu einer Scheinträchtigkeit.
  4. Anöstrus (Ruhephase):
    Der Anöstrus ist die „Ruhephase“ des Zyklus. Die Hündin zeigt keine äusseren Anzeichen einer Läufigkeit. Ihre Sexualhormone bleiben auf einem Level (Progesteron) oder schwanken leicht (Östrogen). Diese Phase kann sehr unterschiedlich lang sein; sie dauert mehrere Wochen oder Monate an und endet erst mit der Einleitung des nächsten Proöstrus und somit der nächsten Läufigkeit. In der Übergangsphase von Anöstrus zu Proöstrus (Präproöstrus) bilden sich allmählich Eibläschen, sogenannte Follikel, an den Eierstöcken. In diesen reifen die Eizellen bis zum Eisprung (der erst im Östrus stattfinden wird) heran.

Verhalten während der Läufigkeit

Hündinnen werden im Durchschnitt 1-2 mal pro Jahr läufig. Noch bevor die Hündin die ersten Blutstropfen verliert, lassen sich oft an ihrem Verhalten einige Auffälligkeiten feststellen: So urinieren die meisten Hündinnen zunächst öfter als sonst. Manchmal erinnert ihr Verhalten an das eines markierenden Rüden, da die Hündin in der Hocke ihr Bein anhebt und scheinbar alle paar Meter “muss”. Damit setzt die Hündin instinktiv die ersten Duftmarken – und diese werden von Rüden auch wahrgenommen. Nicht selten erkennt man eine Läufigkeit zuerst an dem auffälligen Anstieg von vierbeinigen Verehrern, die die Hündin begeistert beschnüffeln und um sie herumtänzeln.

Ob und wie sich das Verhalten der Hündin in der Läufigkeit verändert, ist sehr unterschiedlich. Viele Hündinnen vergessen zumindest zeitweise ihre gute Erziehung, wenn sie läufig sind. Einige entfernen sich auf Spaziergängen weiter von ihrem Besitzer und lassen sich schlechter abrufen. Andere werden anhänglicher und fordern viele Streicheleinheiten. Nicht selten schlafen läufige Hündinnen mehr als sonst, wirken etwas faul oder melancholisch. Einige Exemplare machen dagegen einen eher ruhelosen Eindruck und wechseln alle paar Minuten den Liegeplatz. Nicht zuletzt gibt es auch Hündinnen, die von der Läufigkeit kaum aus dem Konzept gebracht werden und sich genauso benehmen wie sonst auch.

Regeln während der Läufigkeit

Da wie bei uns Menschen, während der Läufigkeit das Bindegewebe lockerer und weniger Muskeltonus vorhanden ist empfehlen wir während der Läufigkeit gerade im Hundesportbereich noch besser auf das Warm up und Cool down zu achten! Auch beim normalen Spaziergang sollte die Hündin nicht von 0 auf 100 los schiessen und unüberlegt über Stock und Stein hüpfen. Doch am wichtigsten sind Verhaltensregeln in Hundebegegnungen! Gerade in der Stehzeit (Östrus) ist es essenziell, dass unkastrierte Rüden von der eigenen Hündin fern bleiben. Ein Deckakt ist schneller vollzogen als wir uns umdrehen können und kann bei Hunden die sich nicht kennen zu unschönen Verletzungen führen. Die Hündin riecht auch abseits der fruchtbaren Tage für Rüden sehr spannend. Vor lauter überschiessenden Hormonen neigen andere Hunde dann dazu, die Hündin zu bedrängen, wähtend diese meist in eine Abwehrhaltugn geht, ausweicht und abschnappt. Dies ist die die Hündin eher eine Stresssituation. Aus diesem Grund läuft meine Hündin in der Läufigkeit nur an der Schleppleine und in Situationen wo uns Hunde entgegenkommen hinter oder neben mir, damit ich freilaufende Hunde blocken und meine Hündin somit vor „Übergriffen“ beschützen kann. Spiel und Freilauf erlaube ich nur mit Hunden die wir bereits kennen, die meine Hündin nicht bedrängen und definitiv nur mit Kastraten oder Hündinnen. Nie aber mit potenten Rüden!

Ob und warum läufige Hündinnen bei uns ins Training kommen dürfen könnt ihr hier nachlesen.

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